4.1.4 Kristallines Wirtsgestein

Die in § 23 StandAG aufgeführten Begriffe „Kristallin“ und „Kristallingestein“ werden im Folgenden durch den Begriff „kristallines Wirtsgestein“ ersetzt. Die BGE subsumiert unter kristallinen Wirtsgesteinen sowohl Plutonite, auch Tiefengesteine genannt, als auch hochgradig regionalmetamorphe Gesteine, welche günstige Eigenschaften für die Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen erwarten lassen.

Bei den Plutoniten handelt es sich um magmatische Gesteine, welche in Folge der Abkühlung von Magma in großer Tiefe durch langsame Kristallisation (Erstarrung, bei der die Minerale ihre Kristallform annehmen) entstehen. Auf Grund der langsamen Abkühlung kristallisiert das Magma fast vollständig aus. Die gebildeten Gesteine besitzen eine charakteristische vollkristalline Struktur, wobei die Kristalle der unterschiedlichen Mineralphasen meist mit bloßem Auge zu erkennen sind. Bekannte Beispiele plutonischer Gesteine sind Granite, Diorite und Gabbro. An die Erdoberfläche gelangen Plutonite durch spätere tektonische Hebungen und Abtragung der überlagernden Schichten durch Erosion.

Bei metamorphen Gesteinen handelt es sich um Gesteine, welche in Folge einer Metamorphose (Umwandlung) anderer Gesteine durch die Einwirkung erhöhter Drücke und Temperaturen entstehen. Dies geschieht durch unterschiedliche Prozesse wie beispielsweise regionale tektonische Vorgänge oder Aufdringen von Magma. Hochgradig regionalmetamorphe Gesteine sind relativ hohen Drücken und Temperaturen ausgesetzt gewesen. Es kommt zu Mineralumwandlungen (Entstehung neuer Mineralphasen), ohne dabei das Ausgangsgestein gänzlich aufzuschmelzen.

Zu den günstigen Eigenschaften dieser beiden kristallinen Wirtsgesteinstypen im Sinne der Endlagerung zählen u. a. deren hohe Festigkeiten, geringe Wasserlöslichkeit und hohe Temperaturbelastbarkeit mit Blick auf die Nachzerfallswärme, die von den Endlagergebinden ausgeht. Sofern diese ein kompaktes, ungestörtes und daher nicht geklüftetes Gestein bilden, ist auch das Rückhaltevermögen für langzeitsicherheitsrelevante Radionuklide eine positive Eigenschaft dieses Wirtsgesteins.

Kompakte, ungestörte Gesteinskomplexe bestehend aus Plutoniten oder hochgradig regionalmetamorphen Gesteinen besitzen die o. g. günstigen Eigenschaften im Sinne einer Eignung als Wirtsgestein für ein Endlager gemäß StandAG und erfüllen damit die Mindestanforderungen nach § 23 Abs. 5 StandAG. Mikrorisse und Kluftnetze in den Gesteinen können die Gebirgsdurchlässigkeit erhöhen und die Barrierewirkung herabsetzen und sind weniger günstig für die Endlagerung. Eine Bewertung der Gebiete hinsichtlich dieser Aspekte kann erst mit Hilfe standortspezifischer Untersuchungen erfolgen. Zum derzeitigen Stand des Standortauswahlverfahrens werden jene Mindestanforderungen als erfüllt angesehen.

Vulkanite, gering bis mittelgradig regionalmetamorph beanspruchte Gesteine sowie Hochdruck- und Kontaktmetamorphite zählt die BGE nicht zu den kristallinen Wirtsgesteinen gemäß § 23 Abs. 1S. 1 StandAG. Dies begründet sich darin, dass diese Gesteine die als günstig für die Endlagerung radioaktiver Abfälle geforderten Eigenschaften größtenteils nicht umfänglich erfüllen. Vulkanite sind z. B. aufgrund ihres Glasanteils verwitterungsanfällig und verfügen häufig über Porenräume, welche sich bei der Gesteinsverwitterung verbinden und somit als Wegsamkeiten für Gase und Flüssigkeiten dienen können.