4.1.1 Einschlusswirksamer Gebirgsbereich (ewG)

Der einschlusswirksame Gebirgsbereich (ewG) wird begrifflich gemäß § 2 Nr. 9 StandAG definiert als „der Teil eines Gebirges, der bei Endlagersystemen, die wesentlich auf geologischen Barrieren beruhen, im Zusammenwirken mit den technischen und geotechnischen Verschlüssen den sicheren Einschluss der radioaktiven Abfälle in einem Endlager gewährleistet“.

Empfehlungen oder Festlegungen zu Gesteinen, welche einen ewG ausbilden können, benennt das StandAG nicht. Mit dem Ziel, einen Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle über einen Nachweiszeitraum von einer Million Jahre zu ermitteln, sucht die BGE als Vorhabenträgerin nach Gesteinsabfolgen, welche die Eigenschaften besitzen, die geologischen Barrieren nach o. g. Definition zu bilden.

Geologische Barrieren sind geologische Einheiten, die eine Ausbreitung von Radionukliden behindern oder verhindern. Physikalisch bedeutet dies, dass die gesuchten geologischen Einheiten ein entsprechendes Rückhaltevermögen für langzeitsicherheitsrelevante Radionuklide besitzen müssen. Mit Blick auf den Nachweiszeitraum ist zur Aufrechterhaltung dieser Eigenschaften eine ausreichende homogene Ausdehnung dieser Gesteinsabfolgen sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung notwendig.

In Schritt 1 der Phase I des Standortauswahlverfahrens erfolgt die Ermittlung von Teilgebieten, welche gemäß § 13 Abs. 1 StandAG „günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“. Eine konkrete Beschreibung und räumliche Verortung des ewG und der entsprechenden Einlagerungsbereiche erfolgt in der Phase I nicht. Für die Ausweisung eines ewG und der entsprechenden potentiellen Einlagerungsbereiche (§ 2 Nr. 10 StandAG) sind umfassendere standortbezogene Erkenntnisse erforderlich, welche im Rahmen des iterativen Standortauswahlverfahrens erst beginnend mit der Phase II des Standortauswahlverfahrens gewonnen werden.