3.1.3 Positive Fehlerkultur und Lessons Learned

Die BGE als Vorhabenträgerin spiegelt ihre Ansprüche an die Arbeit an § 1 Abs. 2 StandAG, wonach die Standortauswahl ein partizipatives, wissenschaftsbasiertes, transparentes, selbsthinterfragendes und lernendes Verfahren darstellt. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden richtet die BGE ihr Managementsystem und allem voran ihre Fehlerkultur daran aus.

Deshalb erfordert für uns als BGE die Umsetzung des Standortauswahlverfahrens eine Fehlertoleranz. Die Fehlertoleranz als Fähigkeit eines Menschen seine eigenen Fehler und die der anderen zu tolerieren, stellt für ein Unternehmen ein Merkmal dar, wie es mit Fehlern von Mitarbeitern und Organisationseinheiten umgeht und diese im Sinne der Resilienz nutzt. Für das Standortauswahlverfahren existieren kaum Erfahrungswerte, auf die sich die BGE stützen kann, weshalb man durchaus in die Situation gerät, Entscheidungen treffen zu müssen, die mit einem gewissen Grad an Ungewissheiten behaftet sind. Einen Fehler zu machen ist grundsätzlich zulässig, solang offen damit umgegangen wird. Das Sprichwort „aus Fehlern wird man klug“ ist in einem wissenschaftsbasierten Verfahren ein schwieriges Unterfangen. Die Reputation nach innen und außen steht für viele an erster Stelle, Fehler kratzen am persönlichen Image und erschweren es, mutig an dieses neuartige Verfahren heranzugehen.

Bei uns werden gemachte und offen kommunizierte Fehler grundsätzlich positiv wahrgenommen. Dabei gilt „jeder kann Fehler machen“, unabhängig von der Hierarchieebene. Der offene Umgang mit gemachten Fehlern ermöglicht uns ein Lernen und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Arbeitsweise und fachlichen Ansätze. Voraussetzung für eine positive Fehlerkultur ist eine Vertrauensbasis, in welcher jeder sich traut, gemachte Fehler offen zu kommunizieren. Durch die offene Kommunikation können nicht nur die Folgen von Fehlern eingeschätzt und entsprechend begrenzt werden, sondern auch gemeinsame Lösungswege im Sinne eines Lessons Learned erarbeitet werden.

Es ist erlaubt auch mal daneben zu liegen! Für Fehlentscheidungen rollen bei uns keine Köpfe. Niemand darf Angst vor Fehlern haben, denn aus gemachten Fehlern können alle etwas lernen. Wertschätzung ist ein wichtiger Schlüssel, durch den auch nach gemachten Fehlern sichergestellt wird, dass weiterhin neue Ideen von jedem Einzelnen in das Team eingebracht werden. Das entspricht auch dem Wertefundament der BGE durch ihr Leitbild, das seit 2020 in Kraft ist.

Fehler und Irrtümer sind in erster Linie nicht immer auf eine falsche Bearbeitung zurückzuführen, sondern zumeist Folgen einer unausgereiften Vorgehensweise, wodurch schnell Dinge übersehen oder vergessen werden. Die Erkenntnis, Dinge auf Basis von Erfahrungen anders umzusetzen, bildet den Grundstein für ein kontinuierliches Lernen in unserem Bereich. Durch stetiges Hinterfragen unseres Handelns und vor allem rückblickend auf Situationen, in denen ein Fehler entstanden ist, lassen sich Verbesserungspotentiale aufzeigen und im weiteren Vorgehen durch entsprechende Maßnahmen umsetzen. Deshalb suchen wir uns intern und extern Feedback-Partner die uns helfen unsere Arbeit und unser Handeln zu Hinterfragen und uns Denkanstöße für Verbesserungen zu geben.

Die Aufgabe der Standortauswahl bis zum Jahr 2031 ist eine einmalige Herausforderung, die nur mit Hilfe einer gelebten positiven Fehlerkultur erfolgreich durchgeführt werden kann. Dazu gehört auch die Bereitschaft aller Beteiligten, sich Kritik und Anregungen jederzeit zu stellen und diese sogar aktiv einzufordern. Um Ungewissheiten/Nichtwissen im Sinne einer lernenden Organisation entgegenzuwirken hilft die fachliche Vernetzung, die Initiierung von Forschungsvorhaben, ein stetig weiterzuentwickelndes Wissensmanagement und die Bereitschaft neues Wissen auch anzuwenden.

Der Anspruch an uns als BGE ist es das Standortauswahlverfahren gemäß StandAG, welches ein neuartiges, hochkomplexes und wissenschaftlich anspruchsvolles Verfahren darstellt, umzusetzen. Diese Aufgabe kann uns nur gelingen, wenn wir den Anspruch an ein selbsthinterfragendes und lernendes Verfahren gemäß § 1 StandAG auch auf uns als Organisation übertragen. „Wir sehen uns, als lernende Organisation und betrachten Fehler als einen grundsätzlichen Bestandteil des Lernens.“ In diesem Sinne stellen wir unsere Arbeiten gerne zu Diskussion, um Optimierungspotentiale zu identifizieren und mit Hilfe vieler Fachexperten*innen unsere Arbeiten weiterzuentwickeln. Dabei sind wir stets bereit Fehler offen einzugestehen und uns entsprechend weiterzuentwickeln, um an Ende den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Endlagerung radioaktiver Abfälle vorschlagen zu können.