4.4.3.11 Anlage 11 (zu § 24 Abs. 5) StandAG

Die Anlage 11 (zu § 24 Abs. 5) StandAG umfasst das „Kriterium zur Bewertung des Schutzes des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches durch das Deckgebirge“, welches im StandAG mit drei Indikatoren untersetzt ist. Die Bewertung der Indikatoren erfolgte mittels ArcGIS auf Basis der prozessierten Daten aus der Anwendung der Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen gemäß §§ 22, 23 StandAG. Ferner wurden Informationen zur Lage der Quartärbasis, zu Störungen sowie atektonischen Vorgängen für die Bewertung herangezogen.

Bewertung der Indikatoren „Überdeckung des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs mit grundwasserhemmenden Gesteinen, Verbreitung und Mächtigkeit grundwasserhemmender Gesteine im Deckgebirge“ und „Verbreitung und Mächtigkeit erosionshemmender Gesteine im Deckgebirge des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs“ zu Anlage 11 (zu § 24 Abs. 5) StandAG

Aufgrund der Tatsache, dass zum jetzigen Stand des Standortauswahlverfahrens keine flächendeckenden Informationen zum Deckgebirgsaufbau vorliegen, erfolgten die Bewertungen im Rahmen von § 13 StandAG anhand der im Deckgebirge vorhandenen stratigrafischen Horizonte. Es gelten dabei die folgenden Prinzipien:

-        Die ersten 100 m des Deckgebirges werden vom Gesetzgeber als nicht schützenswert angesehen (§ 21 Abs. 2 StandAG). Daher wurden identifizierte Gebiete mit einer minimalen Teufe der Wirtsgesteinsoberfläche kleiner als 100 m als unterhalb der Geländeoberkante „ungünstig“ bewertet.

-        Das Quartär, welches erdgeschichtlich die jüngste Einheit darstellt, wird grundsätzlich als nicht grundwasser- bzw. erosionshemmend angesehen.

-        In Anlehnung an das „Kriterium zur Bewertung der Konfiguration der Gesteinskörper“ (Anlage 2 (zu § 24 Abs. 3) StandAG) wird als eine mächtige grundwasser- oder erosionshemmende Überdeckung eine Mächtigkeit von mindestens 150 m festgelegt. Insofern der Abstand zwischen Oberfläche des Wirtsgesteins und der Quartärbasis kleiner als 150 m ist, wurde das entsprechende identifizierte Gebiet der Wertungsgruppe „bedingt günstig“ zugeordnet. Bei einer Überdeckung größer/gleich 150 m, wurde das identifizierte Gebiet mit „günstig“ bewertet.

Aufgrund der Wasserlöslichkeit von Steinsalz erfolgte die Anwendung im Vergleich zu den anderen Wirtsgesteinen unterschiedlich. Ausschlaggebend für die Bewertung von Steinsalz ist ein punktuelles Auftreten „ungünstiger“ Verhältnisse, während für kristalline Wirtsgesteine und Tongesteine ein flächiges Auftreten „ungünstiger“ Verhältnisse ausschlaggebend für die Bewertung ist. Kristalline Wirtsgesteine werden grundsätzlich als grundwasser- und erosionshemmend angesehen. Dies wird in der zusammenfassenden Bewertung entsprechend berücksichtigt.

Bewertung des Indikators „keine Ausprägung struktureller Komplikationen (zum Beispiel Störungen, Scheitelgräben, Karststrukturen) im Deckgebirge, aus denen sich subrosive, hydraulische oder mechanische Beeinträchtigungen für den einschlusswirksamen Gebirgsbereich ergeben könnten“

Im Rahmen von § 13 StandAG kann aufgrund der derzeitigen Datenlage eine erste Abschätzung zum Vorliegen von entsprechenden strukturellen Komplikationen des Deckgebirges erfolgen.

Für die Bewertung erfolgte zunächst eine Prüfung äquivalent zu der oben beschriebenen Prüfung bei den Indikatoren „Überdeckung […] mit grundwasserhemmenden Gesteinen […]“ und „Verbreitung und Mächtigkeit erosionshemmender Gesteine […]“: Liegt die minimale Teufe der Wirtsgesteinsoberfläche innerhalb der ersten 100 m unter GOK, wurde das identifizierte Gebiet für diesen Indikator mit „ungünstig“ bewertet. Ebenso wurde das identifizierte Gebiet für diesen Indikator mit „ungünstig“ bewertet, wenn die Wirtsgesteinsoberfläche die Quartärbasis schneidet. Hierbei gilt ebenfalls das punktuelle Auftreten für Steinsalz und das flächige Auftreten für Kristallin- und Tongestein als ausschlaggebend für die Bewertung.

Für die identifizierten Gebiete, die durch diese Vorgehensweise nicht mit „ungünstig“ bewertet wurden, erfolgte eine weitere Prüfung auf Grundlage der gelieferten Daten hinsichtlich Störungen, Karststrukturen, Subrosion bzw. Erdfälle. Wurden im Rahmen dieser Prüfung strukturelle Komplikationen innerhalb des identifizierten Gebietes identifiziert, wurde das identifizierte Gebiet für diesen Indikator mit „bedingt günstig“ bewertet. Berücksichtigt wurden dabei die Datensätze zu Störungszonen, die durch die Ausschlusskriterien als relevant eingestuft wurden, sowie weitere Datensätze zu Scheitelstörungen und solche, die zur Datenabfrage der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien geliefert wurden.

Im Ergebnis der Bewertung dieses Kriteriums wurden alle identifizierten Gebiete auf Basis gebietsspezifischer Daten individuell bewertet. Das Kriterium umfasst Indikatoren, welche unabhängig voneinander auf den Schutz des ewG durch das Deckgebirge abzielen. Dementsprechend wurden alle Indikatoren mit gleichen Maßstab betrachtet, sodass im Ergebnis der am schlechtesten bewertete Indikator maßgebend für die Gesamtbewertung des Kriteriums war.