4.3.5.1 Steinsalz in steiler Lagerung

Im Folgenden wird dargestellt, wie die Mindestanforderungen gemäß § 23 Abs. 5 StandAG für das Wirtsgestein Steinsalz in steiler Lagerung angewendet werden. Eine detaillierte Darstellung zur Bearbeitung und Herausforderungen ist in der untersetzenden Unterlage „Anwendung Mindestanforderungen gemäß § 23 StandAG“ zu finden.

§ 23 Abs. 5 Nr. 1 StandAG, Gebirgsdurchlässigkeit:

in einem einschlusswirksamen Gebirgsbereich muss die Gebirgsdurchlässigkeit kf weniger als 1010 m/s betragen; sofern ein direkter Nachweis in den Begründungen für die Vorschläge nach den §§ 14 und 16 noch nicht möglich ist, muss nachgewiesen werden, dass der einschlusswirksame Gebirgsbereich aus Gesteinstypen besteht, denen eine Gebirgsdurchlässigkeit kleiner als 1010 m/s zugeordnet werden kann; die Erfüllung des Kriteriums kann auch durch den Einlagerungsbereich überlagernde Schichten nachgewiesen werden;“

  • Für das Wirtsgestein Steinsalz nimmt die BGE an, dass aufgrund der bekannten Eigenschaften von Steinsalz eine ausreichend geringe Gebirgsdurchlässigkeit vorliegt.

§ 23 Abs. 5 Nr. 2 StandAG, Mächtigkeit des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs:

„der Gebirgsbereich, der den einschlusswirksamen Gebirgsbereich aufnehmen soll, muss mindestens 100 Meter mächtig sein;“

Für alle steil stehenden Salzstrukturen, die eine Mächtigkeit von mindestens 100 m aufweisen, gilt diese Mindestanforderung im jetzigen Verfahrensschritt als erfüllt.

§ 23 Abs. 5 Nr. 3 StandAG, minimale Teufe des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs:

„die Oberfläche eines einschlusswirksamen Gebirgsbereichs muss mindestens 300 Meter unter der Geländeoberfläche liegen. […]; soll ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich im Gesteinstyp Steinsalz in steiler Lagerung ausgewiesen werden, so muss die Salzschwebe über dem einschlusswirksamen Gebirgsbereich mindestens 300 Meter mächtig sein;“

Die Anwendung dieser Mindestanforderung gliedert sich in folgende drei Arbeitsschritte:

  • Als maximale Suchteufe, wird auch für Steinsalz 1 500 m festgelegt. Daher wird zunächst eine Schnittfläche in 1 500 m Suchteufe oder an der Zechsteinbasis (wenn diese flacher war als 1 500 m) gelegt.
  • Die minimale Teufe liegt bei 300 m unterhalb der Geländeoberkante. Dafür wird eine zweite Schnittfläche in 300 m Teufe gelegt.
  • Bei Steinsalz in steiler Lagerung muss zudem über dem ewG eine Salzschwebe von mindestens 300 m eingehalten werden, damit diese Mindestanforderung erfüllt ist. Dies gilt unabhängig davon, ob der Top des Salzstocks oberhalb oder unterhalb der Mindestteufe von 300 m liegt.

§ 23 Abs. 5 Nr. 4 StandAG, Fläche des Endlagers:

„ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich muss über eine Ausdehnung in der Fläche verfügen, die eine Realisierung des Endlagers ermöglicht […]“

  • Das StandAG gibt keine konkrete Größe für die Fläche des Endlagers vor. In der Begründung zum Gesetzentwurf wird für das Wirtsgestein Salz vorsorglich eine Fläche von 3 km2 angegeben (BT‑Drs. 18/11398, S. 71). Die maximale Ausdehnung des potentiellen Wirtsgesteins wird mit Hilfe der geologischen 3D‑Modelle im Teufenbereich von 300 m bis 1 500 m Tiefe berechnet und an die Oberfläche projiziert. Alle Strukturen, die eine Fläche von 3 km2 und mehr aufweisen, erfüllen damit die Mindestanforderung.

§ 23 Abs. 5 Nr. 5 StandAG, Erhalt der Barrierewirkung:

„es dürfen keine Erkenntnisse oder Daten vorliegen, welche die Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs, insbesondere die Einhaltung der geowissenschaftlichen Mindestanforderungen zur Gebirgsdurchlässigkeit, Mächtigkeit und Ausdehnung des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs über einen Zeitraum von einer Million Jahren zweifelhaft erscheinen lassen.“

  • Soweit klare Erkenntnisse oder Daten vorliegen, dass der Erhalt der Barrierewirkung zweifelhaft erscheint, wurde die Mindestanforderung als nicht erfüllt angesehen. In allen anderen Fällen wird bis zum Vorliegen entsprechender Daten diese Mindestanforderung als erfüllt angesehen.