4.4.1 Datengrundlage

Die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien gemäß § 24 StandAG im Schritt 1 der Phase I (§ 13 StandAG) des Standortauswahlverfahrens erfolgt wie bei der Anwendung der Ausschlusskriterien (§ 22 StandAG) und Mindestanforderungen (23 StandAG) auf Basis der von den Bundes- und Landesbehörden zur Verfügung gestellten Daten gemäß § 12 Abs. 3 StandAG. Für die Bewertung der elf Kriterien (Anlagen 1 bis 11 (zu § 24) StandAG) können die Indikatoren entweder direkt bewertet werden oder müssen aus geologischen Daten abgeleitet werden.

Für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien im Rahmen von § 13 StandAG wurden sowohl Daten aus Datenabfragen zu den Ausschlusskriterien als auch zu den Mindestanforderungen herangezogen.

Ergänzend dazu erfolgte im Jahr 2019 eine Datenabfrage zu den geowissenschaftlichen Abwägungskriterien bei den Bundes- und Landesbehörden. Dabei wurden neben Informationen zu Störungen, auch geomechanische Eigenschaften, thermische Eigenschaften der Wirtsgesteine und hydrochemische Eigenschaften der Tiefenwässer abgefragt. Im Laufe des Jahres 2020 erfolgten sowohl Nachfragen zu Datenlieferungen der Abfrage aus 2019, als auch weiterführende Nachfragen zu beispielsweise dem Internbau (Anordnung von Strukturen und Schichten innerhalb eines Salzstockes) von Doppelsalinaren oder Erosionsstrukturen.

Die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien bezieht sich zu einem erheblichen Teil auf einen zu diesem Zeitpunkt des Standortauswahlverfahrens noch unbekannten Einlagerungsbereich und ewG. Deshalb waren gezielte regional bezogene Abfragen deutschlandweit noch nicht möglich.

Im Ergebnis der Datensichtung zeigte sich, dass für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien in dieser frühen Phase des Standortauswahlverfahrens – wie erwartet – nur zum Teil erforderliche Daten vorliegen. Die Datenlieferungen aus der Abfrage im Jahr 2019 zu den Störungen und die gelieferten Informationen zu den Nachfragen im Jahr 2020 bilden eine Basis für die derzeitige Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien.

Des Weiteren wurden die im Rahmen der Ermittlung der identifizierten Gebiete prozessierten Daten, wie z. B.

  • die Flächen der identifizierten Gebiete als 2D‑Polygone (inkl. wenn vorhanden der Informationen zur jeweiligen Mächtigkeit und Tiefenlage) und
  • die bundeslandspezifischen und länderübergreifenden Modellierprotokolle (BGE 2020j, 2020l) für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien genutzt.

Die Modellierprotokolle (BGE 2020j, 2020l) dokumentieren das genaue Vorgehen der Anwendung der Mindestanforderungen gemäß § 23 StandAG und enthalten somit wichtige Informationen für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien. Detaillierte Informationen zu den einzelnen Datenabfragen und Datenlieferungen, welche im Zuge von § 13 StandAG gestellt wurden, sind in den untersetzenden Unterlagen BGE (2020i) und BGE (2020l) zu finden.

Im Zuge des gestuften Standortauswahlverfahrens wird sich mit zunehmenden Erkenntnissen der Datenbestand bzw. Wissensstand innerhalb der untersuchten Gebiete vergrößern. Dies ermöglicht im Verlauf des Standortauswahlverfahrens die Gebiete weiter einzugrenzen. Am Ende der Phase III soll die BGE einen Standortvorschlag an das BASE übermitteln (§ 18 Abs. 3 StandAG).

Für die Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien im Rahmen von § 13 StandAG werden aufgrund des derzeitigen Kenntnisstands zum Teil entsprechende Annahmen getroffen. Die Differenz zwischen vorliegenden gebietsspezifischen Daten und denen für die Bewertung der elf Kriterien der Anlagen (zu § 24) StandAG benötigten Daten wird mit Hilfe sogenannter wirtsgesteinsspezifischer Referenzdatensätze (BGE 2020b) geschlossen. Damit können für die Bewertung der elf Kriterien und deren Indikatoren die begründeten Literaturwerte aus den entsprechenden Referenzdatensätzen genutzt werden, sofern keine bzw. nicht ausreichende gebietsspezifische Informationen vorliegen. Auf diese Weise wird die in § 24 Abs. 1 S. 2 StandAG vorgegebene Abwägung der Ergebnisse aller elf Kriterien gewährleistet. Die Annahmen in den entsprechenden Referenzdatensätzen werden mit dem Erkenntnisgewinn im fortschreitenden Standortauswahlverfahren sukzessive durch gebietsspezifische Informationen ersetzt.

Im Zuge der Ermittlung von Teilgebieten gemäß § 13 StandAG konnten alle Gebiete in Deutschland in der notwendigen Tiefe mit den vorhandenen geologischen Daten bewertet werden. Dementsprechend ergaben sich keine „Gebiete, die aufgrund nicht hinreichender geologischer Daten nicht eingeordnet werden können“ (§ 13 Abs. 2 S. 4 StandAG).