4.3.4 Anwendung der Mindestanforderungen – Wirtsgestein Tongestein

Im Folgenden wird dargestellt, wie die Mindestanforderungen gemäß § 23 Abs. 5 StandAG für das Wirtsgestein Tongestein angewendet werden. Eine detaillierte Darstellung zur Bearbeitung und Herausforderungen ist in der untersetzenden Unterlage „Anwendung Mindestanforderungen gemäß § 23 StandAG“ zu finden.

§ 23 Abs. 5 Nr. 1 StandAG, Gebirgsdurchlässigkeit:

„in einem einschlusswirksamen Gebirgsbereich muss die Gebirgsdurchlässigkeit kf weniger als 10‑10 m/s betragen; sofern ein direkter Nachweis in den Begründungen für die Vorschläge nach den §§ 14 und 16 noch nicht möglich ist, muss nachgewiesen werden, dass der einschlusswirksame Gebirgsbereich aus Gesteinstypen besteht, denen eine Gebirgsdurchlässigkeit kleiner als 10‑10 m/s zugeordnet werden kann;“

  • Für Tongestein wird in der gegenwärtigen Phase des Standortauswahlverfahrens angenommen, dass auf Grund der bekannten Eigenschaften eine ausreichend geringe Gebirgsdurchlässigkeit vorliegt.

§ 23 Abs. 5 Nr. 2 StandAG, Mächtigkeit des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs:

„der Gebirgsbereich, der den einschlusswirksamen Gebirgsbereich aufnehmen soll, muss mindestens 100 Meter mächtig sein;“

  • In den geologischen 3D‑Modellen des Bundes und der Länder, die als Grundlage zur Anwendung der Mindestanforderung „Mächtigkeit des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs“ (§ 23 Abs. 5 Nr. 2 StandAG) dienen, ist die kleinste stratigraphische Einheit oft mächtiger als die Einheit, die von Tongestein dominiert ist. Sofern die endlagerrelevante Tongesteinsabfolge nur ein Teil der betrachteten stratigraphischen Einheit ist und diese nicht selbständig bildet, wurde die gesamte stratigraphische Einheit betrachtet. Damit sind in dieser als relevante Abfolge identifizierten Einheit auch Gesteinsformationen enthalten, welche die Mindestanforderungen nicht erfüllen. Insgesamt liegen Hinweise vor, die grundsätzlich belegen, dass Tongesteine dieser stratigraphischen Einheit in ausreichender Mächtigkeit vorkommen können.

 

§ 23 Abs. 5 Nr. 3 StandAG, minimale Teufe des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs:

„die Oberfläche eines einschlusswirksamen Gebirgsbereichs muss mindestens 300 Meter unter der Geländeoberfläche liegen.[…]; soll ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich im Gesteinstyp Tonstein ausgewiesen werden, so muss zu erwarten sein, dass das Deckgebirge auch nach dem Eintreten der genannten exogenen Prozesse ausreichend mächtig ist, um eine Beeinträchtigung der Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs durch Dekompaktion ausschließen zu können“

  • Für die Anwendung dieser Mindestanforderung wird eine Schnittfläche 300 m unterhalb der Geländeoberkante gebildet. Tongesteinsformationen, deren Oberfläche tiefer als dieser Horizont liegt, erfüllen somit diese Mindestanforderung. Bereiche, die höher reichen, werden entlang dieses projizierten Horizontes abgeschnitten.
  • Anhand der aktuellen Datenlage und Bearbeitungstiefe kann die Frage der Dekompaktion in Folge exogener Prozesse derzeit nicht beantwortet werden. Mit Blick auf § 23 Abs. 3 StandAG wird bis zum Vorliegen entsprechender Daten diese Mindestanforderung grundsätzlich als erfüllt angesehen.

§ 23 Abs. 5 Nr. 4 StandAG Fläche des Endlagers:

„ein einschlusswirksamer Gebirgsbereich muss über eine Ausdehnung in der Fläche verfügen, die eine Realisierung des Endlagers ermöglicht […]“

  • Das StandAG gibt keine konkrete Größe für die Fläche des Endlagers vor. In der Begründung zum Gesetzentwurf wird für Tongestein eine Fläche von mindestens 10 km2 angegeben (BT‑Drs. 18/11398, S. 71). Die maximale Ausdehnung des potentiellen Wirtsgesteins wird mit Hilfe der vorliegenden geologischen 3D‑Modelle oder 2D-Karten ermittelt. Alle Formationen, die eine Fläche von 10 km2 und mehr haben, erfüllen diese Mindestanforderung.

§ 23 Abs. 5 Nr. 5 StandAG Erhalt der Barrierewirkung:

„es dürfen keine Erkenntnisse oder Daten vorliegen, welche die Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs, insbesondere die Einhaltung der geowissenschaftlichen Mindestanforderungen zur Gebirgsdurchlässigkeit, Mächtigkeit und Ausdehnung des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs über einen Zeitraum von einer Million Jahren zweifelhaft erscheinen lassen.“

  • Soweit klare Erkenntnisse oder Daten vorliegen, dass der Erhalt der Barrierewirkung zweifelhaft erscheint, wurde die Mindestanforderung als nicht erfüllt angesehen. In allen anderen Fällen wird bis zum Vorliegen entsprechender Daten diese Mindestanforderung als erfüllt angesehen.