4.3.3 Konzept zur Anwendung der Mindestanforderungen auf Basis der vorhandenen Daten

Aus unterschiedlichen Ansätzen ist mit hohem Aufwand eine Methode für die Anwendung der Mindestanforderungen entwickelt worden. Das Ergebnis erfüllt die Ansprüche auf Nachvollziehbarkeit und berücksichtigt die vielfältige Art der vorhandenen und verfügbaren Daten der einzelnen Bundesländer. Das finale Bearbeitungskonzept gliedert sich – aufbauend auf der bundesweiten Identifizierung endlagerrelevanter Gesteinsabfolgen – in einen bundeslandspezifischen und einen folgenden bundesländerübergreifenden Arbeitsschritt (vgl. Abbildung 29). Die technische Umsetzung der Anwendung der Mindestanforderungen nach § 23 StandAG basiert ausschließlich auf den bereitgestellten und sonstigen verfügbaren Daten.

Abbildung 29: Darstellung der Arbeitsschritte für die Anwendung der Mindestanforderungen zur Ermittlung identifizierter Gebiete.

Die Mindestanforderungen zur „Gebirgsdurchlässigkeit“ gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 1 StandAG und zum „Erhalt der Barrierewirkung“ gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 5 StandAG werden im Arbeitsschritt 0 (vgl. Abbildung 29) auf Grundlage der Beschreibungen in der Fachliteratur abgeprüft. Je nach Informations- oder Datenlage wird hierbei dem Grundsatz des § 23 Abs. 3 StandAG Rechnung getragen, wonach die Mindestanforderungen als erfüllt angesehen werden, insofern dies „[…]aufgrund der vorhandenen Datenlage zu erwarten ist.“ Im Arbeitsschritt 1 (vgl. Abbildung 29) der Bearbeitung wird zudem anhand von Bohrungsinformationen geprüft, ob der lithologischen Abfolge die geforderte Gebirgsdurchlässigkeit gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 1 StandAG zugeordnet werden kann.

Anhand der aufbereiteten geologischen Informationen werden neben der Identifizierung und Feststellung der Verbreitung endlagerrelevanter Gesteinsformationen die Mindestanforderungen zur Mächtigkeit des ewG und minimalen Teufe des ewG gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 2 und 3 StandAG geprüft. Im abschließenden Arbeitsschritt 2 (vgl. Abbildung 29) werden die bundeslandspezifischen Ergebnisse zur Anwendung der Mindestanforderungen für die jeweils untersuchte endlagerrelevante Gesteinsformation bundesweit zusammengeführt. Die bundesweit zusammengeführten Ergebnisse der Anwendung der Mindestanforderungen werden um die Gebiete reduziert, die mindestens ein Ausschlusskriterium gemäß § 22 StandAG erfüllt haben. Im Ergebnis der in Abbildung 29 dargestellten Arbeitsschritte zur Anwendung der Mindestanforderungen ergeben sich die identifizierten Gebiete gemäß § 13 Abs. 2 S. 1 StandAG

Neben der Prämisse der verfügbaren Datenbasis müssen bei diesem Vorgehen gleichzeitig die besonderen Regelungen nach § 23 Abs. 4 StandAG berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für die Endlagerkonzepte in Zusammenhang mit dem kristallinen Wirtsgestein. Die Mindestanforderung § 23 Abs. 5 Nr. 1 wurde hierfür entsprechend der gesetzlichen Vorgabe nicht angewendet. Die spezifizierte Anforderung nach § 23 Abs. 5 Nr. 3 StandAG für einen ewG wurde bei den jeweiligen Wirtsgesteinen berücksichtigt.

Bei der Anwendung der Mindestanforderungen wird methodisch auf Grund der Datenlage zwischen 3D‑Modellen und 2D‑Informationen als Datengrundlage unterschieden. Des Weiteren wird auf die jeweiligen Besonderheiten der relevanten Gesteinstypen und deren Konfigurationen eingegangen, was keinen Einfluss auf den grundsätzlichen Ablauf der Bearbeitung hat. Im ersten Fall erfolgt die Bearbeitung im Arbeitsschritt 1 (vgl. Abbildung 29) entweder 2D oder 3D, d. h. auf Basis von thematischen Karten oder geologischen 3D‑Modellen. Für die unterschiedlichen Gesteins- bzw. Lagerungstypen unterscheiden sich einzelne Prozesse und Abfragen im Arbeitsschritt 1.

Für die Gebiete in Deutschland, in denen der BGE kein geologisches 3D‑Modell zur Verfügung steht, erfolgt die Bearbeitung zweidimensional. Dafür werden Informationen sowohl aus thematischen Karten und Schichtenverzeichnissen von Bohrungen, als auch aus Fachliteratur genutzt. Mit Hilfe dieser Informationen wird gebietsspezifisch geprüft, ob potentielle Wirtsgesteine vorliegen und diese hinsichtlich ihrer Mächtigkeit und lateralen (seitlichen) Erstreckung (vgl. Abbildung 27) als geeignet angesehen werden können.

Bohrungsinformationen werden im Rahmen der Bearbeitung und Anwendung der Mindestanforderungen als Belege genutzt, um das generelle Erfüllen der Mindestanforderungen zu prüfen.

In Tabelle 3 ist eine allgemeine Zusammenfassung dargestellt, welche verschiedenen Datengrundlagen und Vorgehen im Zuge der Anwendung der einzelnen Mindestanforderungen zugrunde liegen. Im Ergebnis der Anwendung der Ausschlusskriterien gemäß § 22 StandAG und der Anwendung der Mindestanforderungen gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 1 bis 5 StandAG ergeben sich die identifizierten Gebiete.

Tabelle 3, Kapitel 4.3.3 - S. 95

Mindest­anforderung Datengrund­lage Arbeitsmethode zur Anwendung
§ 23 Abs. 5 Nr. 1 StandAG Gebirgsdurch­lässigkeit Fachliteratur, z. T. Bohrungs­informationen Auswertung der Datengrundlage, Übertragung der Informationen in die Fläche/den Raum so-fern keine lokalen Unterschiede anzunehmen sind.
In Abhängigkeit der Datenlage und fehlender Hinweise, welche die Einhaltung der Mindestanforderung Gebirgsdurchlässigkeit in Frage stellen, wird diese Mindestanforderung als erfüllt angesehen.
§ 23 Abs. 5 Nr. 2 StandAG
Mächtigkeit des einschluss­wirksamen Gebirgsbereichs
Geologisches 3D Modell, Mächtig­keits­karten, z. T. Bohrungs­informationen/­Schichten­verzeichnisse, Fachliteratur Mächtigkeit ergibt sich in 3D Modellen aus der Differenz zwischen der Ober- und Untergrenze, der endlagerrelevanten Gesteinsformation oder stratigraphischen Einheit. Alternativ stammen die Angaben aus Mächtigkeitskarten.
Ober- und Untergrenze werden hierbei durch die natürliche Schichtgrenze und/oder auch durch die Teufenbeschränkung des ewG entsprechend der Mindestanforderung gemäß § 23 Abs. 5 Nr. 3 StandAG und der maximalen Suchteufe von 1 500 m gebildet.

§ 23 Abs. 5
Nr. 3 StandAG 
minimale Teufe des einschluss­wirksamen Gebirgs­bereichs

Geologisches 3D‑Modell, Tiefen­linien­karten, z. T. Bohrungs­informationen/
Schichten­verzeichnisse

Geländeoberkante abzüglich 300 m.
Im Fall von Steinsalz in steiler Lagerung erfolgt die Berücksichtigung der Mindestanforderung über die Projektion der Salzstockoberfläche um 300 m in die Tiefe.

§ 23 Abs. 5
Nr. 4 StandAG 
Fläche des Endlagers

Geologisches 3D‑Modell, Themenkarten wie Fazies- und Verbreitungs­karten strati­graphischer Einheiten; Ergebnisse Prüfung Nr. 1 bis 3

Maximalausdehnung der zusammenhängenden Verbreitung der durch die 2D‑ bzw. 3D‑Bearbeitung erstellten Flächen für die jeweilige endlagerrelevante Gesteinsformation.

§ 23 Abs. 5
Nr. 5 StandAG
Erhalt der Barrierewirkung

Fachliteratur, Daten

Soweit klare Erkenntnisse oder Daten vorliegen, dass der Erhalt der Barrierewirkung zweifelhaft erscheint, wurde die Mindestanforderung als nicht erfüllt angesehen. 

Tabelle 3: Allgemeine Zusammenfassung der für die einzelnen Mindestanforderungen zugrunde gelegten Daten und der Arbeitsmethode