4.2.4.1 Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit – Bohrungen

Bei der Anwendung des Ausschlusskriteriums „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“ werden zunächst alle Bohrungen gleichbehandelt. Es wird keine Unterscheidung zwischen Bohrungen vorgenommen, welche dem Zweck bergbaulicher Tätigkeiten und sonstigen Bohrungen im Sinne von § 2 und § 127 des Bundesberggesetzes (BBergG) dienen. In Phase I des Standortauswahlverfahrens wird die Gruppierung der Bohrungen anhand ihrer Endtiefe vorgenommen. Für die Anwendung des Ausschlusskriteriums „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“ sind jene Bohrungen relevant, die den endlagerrelevanten Bereich zwischen 300 m und 1 500 m unterhalb der Geländeoberkante vollständig oder teilweise durchdringen.

Eine Bohrung ist ein vertikales oder schräg gerichtetes Bohrloch, welches von seinem Ansatzpunkt aus, mittels mechanischer Vorrichtung vorangetrieben wird. Neben dem Einsatz bei der Suche und Erkundung von Bodenschätzen spielen Bohrungen zum Beispiel beim Brunnenbau oder bei Baugrunduntersuchungen und Bergwerksplanungen eine wichtige Rolle (Düring 1983).

Infolge des Bohrvorgangs wird das Gestein in der Umgebung der Bohrung mechanisch, hydraulisch, thermisch und/oder chemisch beeinflusst, sodass es zu Rissbildungen in der Nähe der Bohrung kommen kann. Der Einwirkungsbereich, in dem von einer dauerhaften Schädigung des Gebirges durch den Bohrvorgang allgemein ausgegangen werden kann, wird nach Literaturangaben auf ca. 1 m um das Bohrloch herum abgeschätzt (Gudmundsson 2011; Zoback 2009). Dieser Schädigungsbereich hängt jedoch stark von den Eigenschaften des umgebenden Gebirges und der Art bzw. der Nutzung der Bohrung ab und kann beispielsweise durch hydraulische Stimulation oder Verpressung entsprechend deutlich größer ausfallen. Nach Ende der Nutzung einer Bohrung sind diese gemäß gültiger Regelungen in Deutschland rückzubauen. Hierbei sollen durch Verfüllmaßnahmen weitere Schädigungen des umliegenden Gesteins vorgebeugt werden.

Im Rahmen der Datenabfrage zum Ausschlusskriterium „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“ hat die BGE die Bundes- und Landesbehörden um Übermittlung von Bohrdaten in einem Tiefenbereich von 100 bis 1 500 m (in einer späteren Datenabfrage ab 300 m) unter der Geländeoberkante, mit Angaben zum Bohransatz- und Bohrendpunkt, zur Länge, dem Verlauf, der Bezeichnung sowie der Nutzung und des Zustands des Bohrlochs, gebeten. Im Ergebnis dieser Datenabfragen liegt der BGE eine sehr heterogene Datenbasis an Bohrungen vor, die von grundlegenden Borstammdaten (Bohransatzpunkt und Bohrlochlänge) bis hin zu ausführlichen Bohrdokumentationen reichen. Insgesamt wurden ca. 250 000 Bohrungen tiefer 100 m an die BGE geliefert, von denen ca. 50 000 Bohrungen eine Endtiefe von größer 275 m erreichen. Nur für ca. 15 % dieser Bohrungen wird dabei ein Bohrpfad (Beschreibung der Lage im Raum) angegeben bzw. kann dieser aus den gelieferten Informationen ermittelt werden, um eventuelle Abweichungen vom geplanten Bohrverlauf zu identifizieren.

Die Anwendungsmethode sieht vor, um den Bohrpfad und den Bohrendpunkt einen Sicherheitsabstand im Radius von 25 m anzulegen. Dieser soll mögliche Lageungenauigkeiten der Bohrung berücksichtigen, als auch eine potentielle Schädigung des angrenzenden Gesteins erfassen. Dabei ist nicht auszuschließen, dass größere Schädigungsbereiche unter gewissen Umständen auftreten können. Diese werden jedoch in Phase I, Schritt 1 des Standortauswahlverfahrens nicht berücksichtigt.

Bei den in der Abbildung 13 abgebildeten ausgeschlossenen Gebieten handelt es sich um 2DDarstellungen von 3DObjekten im Untergrund. Die Bezeichnung „ausgeschlossenes Gebiet“ zeigt an, dass die in der 2DKarte dargestellten Flächen dem tatsächlichen ausgeschlossenen Gebiet im Untergrund entsprechen. Das ausgeschlossene Gebiet zieht sich, ausgehend von den abgebildeten Flächen, senkrecht durch den gesamten endlagerrelevanten Bereich (vgl. Abbildung 13). Bei dem „projizierten ausgeschlossenen Gebiet“ handelt es sich hingegen um eine 2DDarstellung eines 3D-Objekts im Untergrund. Die Darstellung des „projizierten ausgeschlossenen Gebiets“ in der Karte (vgl. Abbildung 13) weist darauf hin, dass sich an der ausgewiesenen Stelle der Karte im Untergrund ein ausgeschlossenes Gebiet befindet, dessen Lage im Raum sich nur mit Hilfe einer 3DSoftware visualisieren lässt. In diesen abgebildeten Gebieten sind im Untergrund sowohl ausgeschlossene Gebiete als auch potenzieller Raum für Wirtsgesteine innerhalb des endlagerrelevanten Tiefenbereichs vorhanden (vgl. Abbildung 13).

Abbildung 13: Beispiel der Visualisierung ausgeschlossener Gebiete um vertikale, abgelenkte und gerichtete Bohrungen

Im Ergebnis der Anwendung des Ausschlusskriteriums „Einflüsse aus früherer und gegenwärtiger bergbaulicher Aktivität – Bohrungen“ führen 48 549 Bohrungen zu einem ausgeschlossenen Gebiet. Diese Bohrdatensätze stammen aus der BGEinternen Datenbank der bundesweit gelieferten Bohrungsdaten mit insgesamt 248 473 Datensätzen und entsprechen jenen, die endlagerrelevante Bereiche vollständig oder teilweise durchdringen. Die im Ergebnis ermittelten ausgeschlossenen Gebiete sind in Abbildung 14 stark vergrößert im Verhältnis zur Karte in Abbildung 21 dargestellt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass ein Radius von 25 m um die Bohrungen in dem hier gewählten Kartenformat nicht sichtbar ist.

Abbildung 14: Ausgeschlossene Gebiete nach Anwendung des Ausschlusskriteriums „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit - Bohrungen“.

Hinweis: Die in der Karte dargestellten ermittelten ausgeschlossenen Gebiete sind stark vergrößert, um eine Visualisierung in dem verwendeten Kartenformat zu ermöglichen.