4.2.1.1 Entwicklung der Anwendungsmethoden

Die Entwicklung der kriterienbezogenen Anwendungsmethoden startete im zweiten Halbjahr 2017 und bildet die Grundlage für die Anwendung der Ausschlusskriterien gemäß § 22 StandAG. Seit Beginn der Entwicklung der Anwendungsmethoden führten viele sehr konstruktive Gespräche mit Fachexperten*innen und den zuständigen Bundes- und Landesbehörden zu einer stetigen Weiterentwicklung der Anwendungsmethoden. Die Anwendung der Methoden zeigte auch zeitweise existierende methodische Herausforderungen auf, welche durch neue Überlegungen des Teams der BGE und entsprechender Anwendungsversuche erfolgreich gelöst wurden. Beispielhaft für derartige Herausforderungen war es, im Hinblick auf die teils sehr heterogene Datenlage in Bezug auf Lagebezugssysteme und Attributbezeichnungen sowie die teils eingeschränkte digitale Verfügbarkeit der Daten, kriterienbezogene Anwendungsmethoden zu entwickeln, die eine bundesweit einheitliche Anwendung erlauben.

Im Zuge der Entwicklung der kriterienbezogenen Anwendungsmethoden für den Schritt 1 der Phase I des Standortauswahlverfahrens fand in der ersten Jahreshälfte 2020 eine Online-Konsultation dieser Methoden mit der Öffentlichkeit statt (BGE 2020ae). Hier konnte sich die interessierte Öffentlichkeit über einen Zeitraum von jeweils mindestens sechs Wochen kritisch mit den veröffentlichten Anwendungsmethoden der jeweiligen Ausschlusskriterien auseinandersetzen und mit der BGE diskutieren. Einige der dort diskutierten Aspekte führten im Nachgang der Online-Konsultation zu einer Überarbeitung der Methoden und zeigen, dass die BGE den lernenden Charakter des Standortauswahlverfahrens lebt und schätzt. Ein Beispiel hierfür ist die Weiterentwicklung der Anwendungsmethode zum Ausschlusskriterium „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit – Bohrungen“, welche mit Hilfe der konstruktiven Hinweise im Rahmen der Online-Konsultation stattfand. Die BGE war mit Blick auf die Anwendungsmethode zunächst davon ausgegangen, einen horizontalen Ausschlussradius von 25 m um den Bohrpfad bei Bohrungen anzuwenden, die eine Tiefe von 300 m oder mehr erreichen. In der Online-Konsultation zu diesem Ausschlusskriterium wurde der Hinweis eingebracht, dass ein Ausschlussradius von 25 m um den Bohrpfad auch in vertikale Richtung anzusetzen sei. Dadurch wäre der endlagerrelevante Bereich bereits durch Bohrungen ab einer Tiefe von 276 m unterhalb der Geländeoberkante betroffen, weshalb auch diese für einen Ausschluss heranzuziehen seien. Die BGE stimmte diesem Hinweis zu und hat die Anwendungsmethode für das Kriterium „bergbauliche Tätigkeit – Bohrungen“ daraufhin angepasst.

Im Zuge des iterativen Standortauswahlverfahrens und den jeweils dort gewonnenen Erkenntnissen, ist auch eine Weiterentwicklung der kriterienbezogenen Anwendungsmethoden der Ausschlusskriterien gemäß § 22 StandAG nicht auszuschließen.